Eloysa-Blau – Ein Rollenspiel im Gestern gefühlt und bereits von den Altvorderen gespielt.
Herz: Das Symbol »Herzhausens(?)«, auch Blutherz genannt.
Manches aus der Philosophie der Welt Ljossalfheims bleibt für ewig unverständlich. Unter anderem stellt sich auch die Frage, was mit den anderen Himmeln passierte. Denn Vreemarr, die Königsstadt mit dem goldenen Eloyserthron wurde gewiss — laut Überlieferung — vernichtet. Und zuvor wird explizit die Zerstörung Garban-Daars erwähnt, ein verstecktes Rüstungsdepot, das ebenso als Wolkenstadt angelegt war. Im »Alten Unheiligen Krieg« (AUK) wurde dessen Zerstörung als erschlagendes Indiz für den nahestehenden Untergang gewertet. Ab da stand fest: Der Götterhain fällt. Nur Loki, der die Alte Welt Vreemarrs liebte, versuchte, einen alternativen Ausgang auszuhandeln. Aber am Ende war er es, der dem Eloyserthron den Kopf abschlug und seine neue Heimat als tolerantes Shijtarrheim in einer fernen Eiswelt auf Wolken anlegte. Ganz im Sinne des geliebten Freundes Balder. Der Gott des Lichts. Dem er den Garaus machen musste, weil es so bestimmt war. Denn die Menschenwelt wollte sich entwickeln, und nur so gewann sie Raum und Möglichkeit: dass sich der Alte Götterhain selbst den Kopf abschlug. Das geforderte Opfer erbrachte. — Aber wer ist jetzt dieses »Blutherz«? Wer trägt den Schmerz Lokis im Herzen? Etwa andere verborgene Himmel, will heißen Wolkenstädte, die im AUK niemals zerstört wurden, denn Hades hörte einzig auf Loki, der ihm angemessen klug erschien. Die anderen Hævoqs Svartalfheims waren ihm viel zu argwöhnisch und schon untereinander so zerstritten, dass auch Hades gern aus seiner Königsveste floh, und zwar zu Loki an den Tisch. Der nicht in Vreemarr stand, auch nicht in Hadesthron, sondern mittig dazwischen, direkt mit Bodenkontakt am Eis. Denn Loki war schon damals ein LET-versierter Waldläufer, der Mutter Natur als Höchste einstufte. Niemand konnte sie für seine Augen erreichen. Kein König, kein Großmeister, genauso wenig Magier, Hexen und Geister. Nun, diese, eben erwähnten, lässt Mutter Erde gewähren, weil es ganz ohne solches Unterhaltungsprogramm auch ihr zu langweilig wäre. Man sagt, sie würde liebend gern einsame Wanderungen unternehmen. Getarnt als Frau auf sich selbst spazieren gehen — klingt heiß. Und die Wesenburg betitle sie als ihren heimlichen Lieblings-Urlaubsort. Aber »pst!«, das sind Geheimnisse, die Gevatter Tod seinem alten Freund Loki beim Zocken erzählt haben soll. Wo er auch gern Interna über das Liebesleben seiner Eltern verlauten lässt, denn Mutter Erde soll ihrerzeit die heißeste Braut aller Galaxien gewesen sein. Ebendrum wurde einer der alten Götter eidbrüchig und schlich sich davon, um sie, die eine, erobern zu gehen. Und da man ihn einst den »Spieler« nannte, taufte Mutter Erde ihn in »Papa Zufall« um und wurde wohl sehr glücklich. Jedenfalls behaupten das ihre Kinder, falls man diese in Plauderlaune erwischt. Das Zwillingsbruderpaar »Leben« und »Tod« und das Schwesternduo »Zeit« und »Schicksal«. Gevatter Tod zocke gern, heißt es, und das Leben verschlinge klassische Lyrik wie Prosa. Krimis und Historienromane. Große Dramen, Thriller und Actionkino haben es ihm ebenso angetan wie Fantasy und Comics. Beim Dschungelbuch tanze er beschwingt mit, heißt es, und er suche stets einen Baum zum Rückenkratzen. Die Zeit, eine ansonsten sehr bedächtige Person, liebäugle mit karmesinroten Locken, kombiniert mit Sommersprossen und moosgrünen Augen und viel schrägem Humor. Und das Schicksal werde oftmals richtiggehend liebestoll oder albern, wenn es besser tief ernst bleiben sollte. Ja, die Kinder der Erde tun auch nicht immer alles so, wie ihre Eltern es planten, denn eins steht fest, seit die alten Vakuda über die ersten Mijnns (Menschen) stolperten: »Individuum« nennen sie es. Besonderheit, die jeder in ganz eigener Ausprägung im Herzen trägt. Jedes für sich ein Besonderes, einzigartig, schützenswert, unverwechselbar. Im Leben wie im Tod. Gedanken, Gefühle, Sehnsüchte, Erfahrungen, Ängste, Schmerzen und Sorgennöte. Konflikt- und Kampfbereitschaft wie Friedenskonsens. Diplomatie. Tiefverwurzeltes. Tradition. Kultur. Brauchtum. Dankbarkeit. Essen. Trinken. Schlafen. Respekt. Toleranz. Verzicht. Teilen. Fokus — Blickwinkel.
Zurück zu Lokis Landhaus am blanken Eis. Auf direkter Linie zwischen Vreemarr und Hadesthron gelegen. In Vreemarr nannte man ihn deshalb den »Landmann«, was oftmals dazu führte, dass wer wissen wollte, ob Loki gar kein Hævoq sei, sondern einer der Landläufer? Und damit ein Kemoop, die stillsten und friedfertigsten der Zeresgeborenen Götterwesen? Aber nein, das war natürlich Unsinn. Loki war der höchste Streiter und versierteste Stratege Ljossalfheims, der sein Handwerk beherrschte. Anführer ihrer Streitkräfte und später dasselbe für Svartalfheim. Keiner misstraute ihm jemals. »Ehrlichkeit« stand für seinen Namen. Weshalb ihm später »Unredlichkeit«, »Heimtücke« und »Niedertracht« angedichtet wurden. Der Heldenepos musste demontiert werden. Er hatte sie verlassen und gründete eine neue Welt. Schon bald sprach keiner mehr von Hadesthron, erinnerte sich keiner ihrer großen Namen.
Loki und seine Freunde lebten wie Kemopes am Land, sprachen mit den Winden und küssten die Regentropfen, begrüßten sie wie gute, alte Freunde. Und damit mangelte es wirklich niemals an Besuchern, denn ihr gutes Herz war stets offen und erkennbar. Loki fand angeblich am eigenen Tisch seine treuen Gefährten, mit denen er später auszog, Shijtarrheim zu gründen. Den Eispalast, den man schon bald als den »Neuen Götterhain« bezeichnete. Mit aller Autorität, die ihm gebührt. Allesamt soll er sie Stück für Stück bei sich einquartiert haben. Anfangs rein als Übernachtungsgäste. Und nebenan thronte Thantos, sein ältester und treuster Freund und derjenige, den er noch heutzutage losschickt, wenn Unsägliches zuverlässig erledigt werden muss. Alte Geschichten eben. Tragisch romantisch. Mit einem Hauch Nostalgie gewürzt, der sie umschließt und die Frage nach dem ominösen »Herzhausen« zwar nicht beantwortet, aber die eigene Fantasie ausreichend ankurbelt, selbst drüber nachzudenken, was es denn sein könnte. Und ob man dort noch heute um den großen Eloyser trauert? Der in mancher Geschichte nicht Balder, sondern Nessel genannt wird. Diese Farbe Rot steht keinesfalls umsonst.
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